Sicherheit im Internet bedeutet weit mehr als den Schutz privater Rechner vor Viren, Würmern und Trojanern. Cyber-Kriminalität ist längst zur ernsten Bedrohung von Konzernen, Behörden, Infrastrukturen und ganzen Staaten geworden. Grund genug für die Europäische Union, eine gemeinsame Strategie für Cyber-Security zu entwickeln.

Die Gefahren durch Cyber-Angriffe auf EU-Mitglieder

Für die Cyberwelt gilt das gleiche wie für die globale Wirtschaft: Sie ist vernetzt. Das gilt vor allem im Zeitalter des Cloud Computing. Was auf der einen Seite einen großen Gewinn in Sachen Effizienz bedeutet, erfordert andererseits große Anstrengungen für den Datenschutz im Internet. Denn die Liste potentieller Gefahren durch Cyberkriminelle ist lang:

  • digitale Angriffe zum Zwecke der Industriespionage
  • digitale Sabotage von Industrieanlagen
  • Online-Terrorismus durch Angriffe auf kritische IT-basierte Infrastrukturen
  • Erpressung durch digital entwendete Daten

Risiken im Internet machen nicht an Ländergrenzen Halt

Die Maßnahmen zur Datensicherheit einzelner Handlungseinheiten wie Unternehmen und Staaten reichen längst nicht mehr aus. Es bedarf eines organisierten zwischenstaatlichen Vorgehens. So schlug die Europäische Kommission im vergangenen Jahr eine Cyber-Security Strategie zum dezentralen Datenschutz im Internet vor. Die Strategie soll unter anderem dazu dienen,

  • bestehende Internetstrukturen widerstandsfähiger gegen Angriffe zu machen,
  • Kompetenzen im Bereich der Cyberverteidigung und Mittel zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik aufzubauen,
  • technologische und industrielle Kompetenzen zur Sicherheit im Internet zu entwickeln und
  • ein gemeinsames Vorgehen der Mitgliedsstaaten für den Cyberspace zu organisieren, um die gemeinsamen Werte der EU zu verbreiten

Auf diese Weise soll die Internetkriminalität deutlich reduziert werden.

Die EU setzt auf Sicherheit durch gemeinsames Handeln

Um diese Ziele zu erreichen, sollen mehrere, teils neu zu schaffende Instanzen zusammenarbeiten und gemeinsam ein schlagkräftiges Netzwerk gegen die Cyberkriminalität bilden.

  • Computer Emergency Response Teams (CERTs) dienen in allen Mitgliedsländern der Identifizierung und Analyse digitaler Gefahren. Um diese wirkungsvoll zu bekämpfen, sollen sie länderübergreifend zusammenarbeiten.
  • Das European Cybercrime Center (EC³) dient der Unterstützung bei der strafrechtlichen Verfolgung von Cyber-Kriminellen.

Bei all diesen Maßnahmen soll grundsätzlich der Anspruch an ein offenes und freies Internet gelten.

Die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland

Die Cyber-Sicherheitsstrategie für Deutschland schließt den Schutz der Bevölkerung im Internet ausdrücklich ein. Das Bundesministerium für Inneres (BMI) sieht in ihrem Strategiepapier folgende Probleme für die Internetsicherheit:

  • Anzahl, Komplexität und Professionalität von Angriffen auf IT-Infrastrukturen sind gestiegen.
  • Verwundbare Systeme werden für den kriminellen Missbrauch instrumentalisiert.
  • Die Möglichkeiten zur Abwehr und Rückverfolgung von Cyber-Straftaten haben technologische und rechtliche Grenzen.

Da Cyberkriminalität gleichermaßen staatliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherheitsinteressen betrifft, setzt das BMI auf eine breite Kooperation im Bereich der Cyber-Sicherheit.

Dabei werden folgende Ziele definiert:

  • Schutz der vernetzten Informationsinfrastrukturen
  • Schutz kritischer Infrastrukturen des Gemeinwesens und der Versorgung
  • Aufrechterhaltung von Chancen und Nutzen des Cyberraums
  • Sicherstellung der Verfügbarkeit von IT- und Kommunikationstechnik
  • Schutz vertraulicher Daten im Internet

Die Bundesrepublik Deutschland setzt in ihrer Strategie zur Abwehr von Cyberkriminalität neben der Zusammenarbeit mit der EU auf innerstaatliche Maßnahmen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) organisierte unlängst mit nationalen Verbänden aus Industrie, Informationswirtschaft, Telekommunikation und Medien eine Umfrage zur Sicherheit im Netz.

Auch beim neu eingerichteten nationalen Cyber-Abwehrzentrum, das Aktivitäten im Bereich der Analyse von Cyberkriminalität bündelt, ist das BSI federführend.

Erstmals 2013 wurde zudem die “Potsdamer Konferenz für nationale Cybersicherheit” vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) veranstaltet, die unter anderem Fachleute aus Wirtschaft und Politik zusammenbringt:

Schutz der Bürger im Internet

Im Bereich der Internetsicherheit für Bürger setzt der Bund auf die Sensibilisierung für bestehende Gefahren. Im Rahmen des Safer Internet Programme der europäischen Union betreibt der deutsche Verbund „Safer Internet DE“ eine Plattform, die Kindern und Jugendlichen, Eltern und Lehrern Informationen zur Sicherheit im Web bietet. Dabei sollen folgende Fragen geklärt werden:

  • Was ist im Internet erlaubt und was nicht?
  • Welche Gefahren bestehen im Internet für Kinder?
  • Wie richtet man Jugendschutzfilter ein?
  • Wo kann man Fälle von Cyberkriminalität melden?

Den direkten Link zum Verbund „Safer Internet DE“ finden Sie in unseren weiterführenden Informationen.

Effektivität der Maßnahmen wird sich zeigen

Sowohl die EU als auch das Bundesministerium für Inneres in Deutschland tragen also mit den neuesten Cyber-Sicherheitsstrategien Sorge dafür, dass nicht nur Staaten, Unternehmen und Behörden, sondern auch Privatleute vor Übergriffen von Internetkriminellen geschützt sind. Wie effektiv diese Strategien greifen, werden wir in den nächsten Jahren erfahren. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Hier erhalten Sie weiterführende Informationen:

One Response to “Wie die EU die Cybersicherheit gewährleisten will”

  1. Rob November 2, 2014 at 02:19 #

    Die EU? Mit so kompetenten Menschen wie dem Oettinger? Ja dann kann es ja nur noch schlimmer werden!

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