Computer-Forensik – Ein Berufsbild mit Zukunft

Aus zahlreichen Krimiserien im deutschen Fernsehprogramm sind die spannenden und zum Teil faszinierenden Ermittlungsmethoden der Computer-Forensik nicht mehr wegzudenken. Viele Zuschauer starren gebannt auf den Bildschirm und sind erstaunt, welche Möglichkeiten der Computer Ermittlern bei der Auflösung von Verbrechen zur Verfügung stellt.

So können nicht nur Informationen und Gesprächsprotokolle als Beweise gesichert werden. Ebenfalls ist es möglich, Zugriffe zu identifizieren und auch vermeintlich gut geschützte bzw. gelöschte Dateien zu rekonstruieren. Und dass mit Hilfe von ausgeklügelten Programmen und Datenbanken auch gezielt potenzielle Straftäter ermittelt werden können, ist dem Fernsehzuschauer spätestens seit der rasanten Fortentwicklung der forensischen DNA-Analyse deutlich geworden.

Die Computer-Forensik hat sich aber auch im realen Leben zu einem neuen, zukunftsträchtigen und überaus spannenden Berufsbild entwickelt, auf das im Folgenden näher eingegangen werden soll.

Berufsbilder 2.0: Willkommen in der spannenden Welt der Computer-Spezialisten

Neben der Computer-Forensik sind auch die Begriffe IT-Forensik bzw. digitale Forensik für dieses relativ neue Berufsfeld geläufig. Im Kern geht es darum, verdächtige Vorfälle zu untersuchen und aufzuklären, die im Zusammenhang mit IT-Systemen stehen (Festplatten, Netzwerke, Login-Daten, Chatprotokolle etc.).

Bekannt ist etwa die Auswertung von Festplatten durch die Staatsanwaltschaft, wenn es um illegale Inhalte oder auch brisante Informationen geht (z.B. im Kontext der Steuerfahndung). Genauso lassen sich digitale Spuren nachverfolgen: Wann hat der potenzielle Täter sich wo im Netz bewegt? Was hat er kommuniziert? Welche Vorgänge hat er getätigt?

Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen hat die IT -Forensik mittlerweile eine wichtige Rolle eingenommen, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass immer mehr Menschen täglich im Netz aktiv sind. Insofern ist die Etablierung des Berufsbildes des Computer-Forensikers die logische Konsequenz des Siegeszuges des Internets.

Beweismittelsicherung am Computer – Ein Einblick in die Methoden und Analyseprozesse

Im Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit eines IT-Forensikers steht die Beweismittelsicherung. Es geht darum, Informationen und Internetprotokolle aus Netzwerken zu analysieren, um relevantes Beweismaterial dingfest machen zu können und im Zuge der Analyse ein so genanntes forensisches Duplikat zu erstellen. Wichtig sind eine fundierte Methodik sowie eine logische Vorgehensweise, schließlich besitzen Spuren im Netz eine unterschiedliche Nachweisbarkeit. Oft ist es im Berufsalltag jedoch so, dass die Festplatten der verdächtigen Personen ausgebaut und kopiert werden, bevor digitale Spuren im Netz untersucht werden.

Um die Qualität und letztlich die Aussagekraft der Beweismittel nicht zu mindern, sollten diese so wenig wie möglich verändert werden, da sich sonst Verfälschungen einschleichen können. Ein Computer-Forensiker muss deshalb bei seiner Arbeit penibel darauf achten, dass die Beweismittelkette zu keiner Zeit unterbrochen wird: die lückenlose Dokumentation ist im Hinblick auf die spätere Durchschlagskraft der Ermittlungsergebnisse von entscheidender Bedeutung.

Der gesamte Prozess der Computer-Forensik lässt sich in die folgenden 4 Teilschritte gliedern:

1. Identifizierung
2. Sicherstellung
3. Analyse und
4. Aufbereitung

Zu Beginn ist also im konkreten Falle zu prüfen, welche Daten relevant sind und wo zuerst angesetzt werden muss. Die so fokussierten Daten müssen im zweiten Schritt professionell und ohne Verluste gesichert werden, um sie anschließend analysieren zu können. Hier kommen die eigentlichen Fähigkeiten eines IT-Forensikers zum Tragen, denn er muss neben soliden Programmierkenntnissen auch die Zusammenhänge in Netzwerken erkennen und intuitiv die richtigen Spuren verfolgen, da es kein vorgefertigtes Schema gibt. Je nach Fall und Komplexität sind sehr gute IT-Kenntnisse sowie ein hohes analytisches Denkvermögen unabdingbar.

Aktuell zeichnet sich in der Computer-Forensik der Trend ab, dass auch die multifunktionalen Smartphones immer mehr in den Mittelpunkt rücken, schließlich sind die mobilen Alleskönner für viele Nutzer eine Art virtuelles Büro geworden, das bei Ermittlungen viele wertvolle Hinweise liefern kann. Es zeigt sich also, dass die digitale Forensik keinesfalls nur auf Festplatten festgelegt ist, auch Programme und Netzwerkkonfigurationen stehen im Fokus der Ermittlungstätigkeit.

Zum Schluss müssen die Ergebnisse natürlich noch so ausgearbeitet werden, dass sie vor Gericht als aussagekräftiges Beweismittel verwendet werden können.

Ausbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen – Ein Ausblick

Ein IT-Praktikum bietet eine erste unverbindliche Möglichkeit, um sich mit dem spannenden und zukunftsträchtigen Berufsbild des IT-Forensikers vertraut zu machen. Wer Informatik studieren möchte und nicht im Wirtschafts- oder Programmierbereich tätig sein möchte, für den ist die Vertiefung „Computer-Forensik“ sicher eine attraktive Alternative. Viele Universitäten bieten in ihren IT-Studiengängen schon solche Inhalte/Vertiefungsmodule an (meistens als Mediensicherheit oder Sicherheitsmanagement in IT-Systemen o.ä.), es gibt aber mittlerweile auch Fernstudiengänge und online Lehrgänge, die voll und ganz auf die IT-Forensik ausgerichtet sind.

Unter folgenden Adressen finden Sie weitere Informationen zum Studiengang digitale Forensik:

www.fh-albsig.de
www.uni-tuebingen.de

Und natürlich besteht die Möglichkeit, sich als Absolvent der Informatik als „Trainee on the job“ zu einem echten Fachexperten zu entwickeln. Ein möglicher Arbeitgeber könnte die Polizei sein, aber es existieren mittlerweile auch viele private Unternehmen, die sich als attraktive Arbeitgeber im Bereich der IT-Forensik etabliert haben.

Auf jeden Fall hat der Beruf des Computer-Forensikers sehr gute Zukunftsaussichten, da das Internet kein rechtsfreier Raum ist und es einen weiterhin wachsenden Stellenwert im öffentlichen Leben einnimmt.

Die Verdienstmöglichkeiten erscheinen gerade im privaten Sektor als überdurchschnittlich, da dieses spezifische und stark gefragte Expertenwissen den eigenen Marktwert im Bereich der Informatik erheblich steigern kann. Es lohnt sich also für jeden Informatiker, darüber nachzudenken, eine Laufbahn als Computer-Forensiker einzuschlagen und, ganz wie die Ermittler im Fernsehen, Fälle mit Logik und Fachwissen am Computer zu lösen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.